Über die Grenze des Wahrnehmbaren | 22. April 2018

Neue Kunstinstallation in der Moritzkirche
Liebe Besucherinnen und Besucher der Moritzkirche, bereits zur Neugestaltung der Moritzkirche hatten wir ein Zitat von Bernhard von Clairvaux aufgegriffen, das die Symbolkraft des Lichts für eine Annäherung an das Jenseitige und Göttliche beschreibt: „Denn die Seele muss das Licht suchen, indem sie dem Licht folgt.“ Dieser Gedanke führt uns auch in die aktuelle Installation der in Österreich lebenden Künstlerin Elke Maier. Sie trägt den Titel beyondTarget. Hunderte von feinsten weißen Seidenfäden durchziehen das gesamte Kirchenschiff, jeder einzeln geknüpft und auf die anderen abgestimmt. Das Konzept ist speziell für die Moritzkirche von ihr entwickelt worden und unterscheidet sich dadurch von denen in anderen Sakralräumen, die die Künstlerin in den letzten Jahren mit ihren filigranen Installationen verändert hat, darunter das Neumünster in Würzburg oder der Stephansdom in Wien. Die Installation wird bis zum 15. Juli den Raum der Moritzkirche durchwirken, am 8. Juli laden wir zusammen mit Elke Maier zu einem sonntäglichen Kunstgespräch ein. Schon das Licht an sich ist ein einzigartiges Phänomen. In der Physik wird es sowohl als elektromagnetische Wellenstrahlung beschrieben, wie auch als Quantenobjekt aufgefasst. Die Lichtgeschwindigkeit bildet laut Albert Einstein eine unüberwindbare Geschwindigkeitsgrenze in diesem Universum. So komplex die physikalische Deutung des Lichtes schon ist, so ist das Licht in der religiösen Symbolik nur eine Vereinfachung, eine begreifbare Beschreibung der Dimension des Göttlichen und seiner Wirkung in diese Welt hinein. Im Licht scheinen wir der Erfahrung des Göttlichen nahe zu kommen und doch bleibt es letztlich nur ein Bild für das Unbeschreibliche. Die Installation beyondTarget spielt mit diesem Grenzbereich. Ohne das direkte Sonnenlicht ist sie kaum wahrnehmbar, aber vorhanden. Fällt das Licht in den Kirchenraum, erscheinen die Fäden im Raum wie materialisiertes Licht, die sich doch der visuellen Wahrnehmung zu entziehen scheinen. Es wird nicht gänzlich unserem Willen zukommen, die Installation in Gänze zu erleben, zu erfahren zu begreifen, dem Geschenk des lichterfüllten Moments wird eine zentrale Funktion zukommen. Hier steht die Kunst nahe am Glauben, ganz ähnlich der Skulptur des Christus Salvator, der uns aus einem Raum jenseits unserer Zielvorstellungen entgegen kommt: beyondTarget.

Musik: Sonja Drexler (Harfe)
Einführung: Dr. Ulrich Hörwick

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