WHEN NOTHING STAYS THE SAME
K U N S T R E F L E K T I O N E N
Kunstgespräche:
So. 8.2.26 | 15 Uhr
Do. 26.2.26 | 19.30 Uhr
So. 8.3.26 | 15 Uhr
_______________________________
Die Arbeiten von Eva Gold, Udo Hudelmaier und Markus Mehr sind unabhängige, künstlerische Positionen, die sich jeweils mit Wandlungsprozessen im eigenen Selbst, mit innerem Erleben und deren Beziehung und Wirkung auf die umgebende, sich verändernde Wirklichkeit auseinandersetzen. Wenn nichts bleibt, wie es ist.
Jede Arbeit hat seine eigene, explizit ausgewählte Verortung in den Seitenschiffen, in der Kreuzkapelle und im Meditationsraum des Moritzer Innenhofes. Sie umkreisen gleichsam das Hauptschiff der Moritzkirche und stehen so in einer reflektierenden Verbindung mit dem spirituellen Zentrum des Sakralraumes. Den Besucherinnen und Besuchern eröffnet sich die Möglichkeit, über das Hören und Sehen und über das Raumgefühl, eine eigene sinnliche Reise anzutreten.
Wem werden sie begegnen?

SHELTERS ist eine künstlerische Schutzraumintervention.
Durch subtile architektonische Eingriffe verwandelt die Position urbane Gebäude in Rückzugsorte. Das Projekt startet in der Moritzkirche mit zwei Shelters in den beiden Seitenschiffen und bietet einen individuell nutzbaren Schutzraum im urbanen Kontext eines Sakralbaus. Schutzraum im Schutzraum. Sie ist gleichsam eine Initiation für die geplante Weiterführung des Projektes an unterschiedlichen Orten auf öffentlichen Plätzen.
Diese Intervention thematisiert die Notwendigkeit von Schutz und Obhut in einer von Schnelllebigkeit und Unsicherheit geprägten Welt. Sie öffnet einen Dialog über die Bedeutung von Geborgenheit im öffentlichen Raum und bietet eine neue Wahrnehmung von Architektur als Ort der Fürsorge und des Rückzugs. Schutzraum, Obhut und Geborgenheit in und um uns.

LOSS BECOMES HOPE ist eine großformatige Videoarbeit (98 Zoll) in der Kreuzkapelle der Moritzkirche, die die Grenzen zwischen Malerei, Film und Fotografie auflöst. Sie dokumentiert Wandlungsprozesse, die durch bewusste Impulse entstehen und sich jenseits von Kontrolle entfalten – flüchtige, nicht wiederholbare Momente des Werdens und Vergehens.
Die Arbeit ist ein Ausschnitt aus einem kontinuierlichen Fluss von Ereignissen und Transformationen – ohne Anfang und Ende.
Langsamkeit und Geschehenlassen werden zur Aufgabe, Verlust wird zur Hoffnung.

SUPRA ist ein audio-visueller Klangkörper, der im Meditationsraum und im Innenhof der Moritzkirche realisiert wird.
Die Faszination für komplexe Schöpfungen der Natur und deren Interaktion stehen im Fokus der Klanginstallation. Die geheimnisvolle Wechselbeziehung verschiedener Naturphänomene führt durch eine rätselhafte Kommunikation, aber ohne Hierarchie, zu einer Individualität höherer Ordnung. Ein Baum ist eben nicht nur ein Holzlieferant oder Schattenspender, er ist Teil eines überwältigenden Öko-Systems. Unsere Erde: ein interagierender Bioreaktor, der menschliche Körper: der geborene Netzwerker. Fusionierende Schwarze Löcher, interagierende Chemikalien, klimatische Geflechte, oder cross-modulierende Oszillatoren eines Synthesizers: immer dann, wenn sich geschlossene Strukturen umschlingen, sich befruchten und interagieren, entstehen Synergien, entsteht ein Supraorganismus. Der Mensch unterbricht, manipuliert, ja eliminiert diese Wechselwirkungen. Er reguliert und optimiert aus Gesichtspunkten der Effizienz, Wirtschaftlichkeit, Gewinnmaximierung, ohne die komplexen Strukturen und Zusammenhänge zu respektieren. Auf überhebliche Art macht sich der moderne Mensch alles zu Nutze in der falschen Annahme, eine in sich ausgewogene Umwelt perfektionieren zu müssen. Die Folgen sind fatal. SUPRA ist eine auditive Plastik, die die Natur als Klangquellen verwendet, künstlerisch verarbeitet und verfremdet, um sie im Anschluss zu einer assoziativen Klangerzählung zu vermählen. Behutsam angeordnete Phonographien, Found Sounds und synthetisch komponiertes Klangmaterial erzeugen aurale Milieus deren digitale Manipulationen zu neuen Verschränkungen führen. Wie in vorangegangenen Arbeiten sucht Mehr nach dem Sound hinter dem Sound, entlockt den gesammelten Aufnahmen neue Klangphänomene, kristallisiert diese heraus und stellt sie in den Vordergrund.
Das von dem Physiker Florian Jung entworfene Boxensystem bildet ein skulpturales Klanghabitat das von Besuchenden stehend, sitzend, oder in Bewegung erfahren werden kann und ergänzt kongenial den konzeptionellen Ansatz um eine weitere ästhetische Position. Das einsehbare Holzgehäuse macht nicht nur die inhärente Technologie sichtbar. Das in der Box kultivierte Pflanzenmaterial (Moose, Flechten, Efeu) verwächst mit dem Hightech-Innenleben des Schallüberträgers. Es dient sowohl tontechnischen Aspekten (Dämmung, Diffusor) als auch der thematischen Fortführung von SUPRA. Die einzigartige Konstruktion veranschaulicht die makellose Vollständigkeit organischer Ressourcen und dem unaufhaltsamen Drang des Menschen diese nach seinen Ideen zu perfektionieren.
SUPRA ist eine Hommage an die unerschöpfliche Vielfalt der Natur und der Hoffnung auf ihre Rückbesinnung.
___________________________________
ERÖFFNUNG
Do. 5.2.2026 | 20 Uhr | Kirche St. Moritz, Augsburg
KUNSTGESPRÄCHE
Bei den Kunstgesprächen sind immer alle Künstler und der Kurator anwesend und werden in das Kunstprojekt und in die einzelnen Arbeiten einführen.
Jedes Kunstgespräch steht unter einem speziellen Fokus.
So. 8.2.26 | 15 Uhr
Über die Bedeutung des menschlichen Gestaltungsdrangs oder warum macht der Mensch nicht was er soll?
Im Fokus: Supra von Markus Mehr und Florian Jung
Do. 26.2.26 | 19.30 Uhr
Über die Geborgenheit in und um uns.
Im Fokus: Shelters von Eva Gold
So. 8.3.26 | 15 Uhr
Über die Unvermeidbarkeit des Wandels und die Kraft des Loslassens.
Im Fokus: loss becomes hope von Udo Hudelmaier
LAUFZEIT
5.2. - 22.3.2026
ÖFFNUNGSZEITEN
Täglich geöffnet von 9−19 Uhr
außerhalb der Gottesdienste und zu Sonderveranstaltungen
Links:
evagold.art
udohudelmaier.com
markusmehr.de

Die Kirche ist mit einer induktiven Höranlage ausgestattet.
© Moritzkirche 2026